Hörsturz #11: Hallo, 19. Jahrhundert. Bye-bye, 21. Jahrhundert?

Der nicht-kommerzielle Rundfunk sitzt in der Förderfalle. Führen Wege wieder hinaus?

Wenn die Welt wieder nach dem Recht des Stärkeren tickt, Nazis um jede Ecke grüßen und selbst einfachste Prinzipien der Aufklärung in Frage stehen, kämpft der nichtkommerzielle Rundfunk mit Herausforderungen.

Die Strategien zur Bewältigung sind ebenfalls bekannt: „Resilienz“, „Wehrhaftigkeit“, die Vermeidung von Abhängigkeiten und die Stärkung des Selbstbewusstseins. Es gilt, sich auf die neue Lage einzustellen.

Freie Radios und Community-TV sind werbefrei – und damit immun gegen den Kollaps der Werbemärkte. Doch ihre Abhängigkeit von öffentlichen Geldern macht sie zur leichten Beute der Politik. Die angedrohte Infragestellung der nationalen Finanzierung NKRF (Nichtkommerzieller Rundfunkfond) im Rahmen der gescheiterten Koalitionsverhandlungen zwischen ÖVP und FPÖ Anfang 2025 löste erhebliche Besorgnis aus. 2029 könnte die FPÖ an der Macht sein – und dann?

Die gestoppten Wiener Finanzierungen von Okto im Jahr 2022 und von Orange 94.0 im letzten Jahr durch SPÖ und NEOS waren politisch motiviert: Der stadteigene SPÖ-TV-Sender W24 wurde nie in Frage gestellt. Wien ist anders?

Auch die Salzburger Politik hat ihre Probleme mit unabhängigen Medien und Berichterstattung und verweigert sich einer entsprechenden Finanzierung des nichtkommerziellen Rundfunks. Dabei haben die Freien Medien einiges zu bieten. Mehr Bewusstsein für die Stärken in den Bereichen Bürger:innen-Beteiligung, Vielfalt, Demokratie und Medienbildung ist angesagt, die in dieser Dichte und Qualität nirgendwo sonst in der Medienbranche zu finden sind.

Dass diese Geschichte stärker erzählt werden sollte, war immer ein Problem, da Marketing nicht zu den Stärken der Freien Medien gehört. Vermutlich ein Nebeneffekt der Werbefreiheit. Hier tut Anstrengung not.

Auch der gezielte Aufbau von Fundraising für Inhalte und deren Produktion könnte für den „Non-Profit-Rundfunk“ ein Thema sein, das nicht naserümpfend anderen – warum sollen nur Umwelt-NGOs Spenden kassieren? – überlassen werden sollte. Weniger um damit alles finanzieren zu können, sondern zur Diversifizierung der Einnahmen und damit Stärkung der Unabhängigkeit. Und als Direktkontakt zum Publikum.

Eine wichtige Waffe sind eigene Infrastrukturen. Eigene Kanäle, eigene Regeln. Der Besitz und das Wissen um Sendetechnik und Mediatheken ist gut – doch wo werden diese beworben? Weg von den Algorithmen der Tech-Giganten, hin zu gemeinnützigen Plattformen, die wieder den Menschen gehören.

Viele Herausforderungen? Ja, aber auch viele Chancen für neue Ideen. Hallo 21. Jahrhundert.


Alf Altendorf ist kaufmännischer Geschäftsführer der Radiofabrik und Medienaktivist.
altendorf.radiofabrik.at