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"Sex & Maschinen",
Geschichten über Sexualverhalten mit Technologieeinsatz, von Alf Altendorf f. ORF Matrix
Poesie am Grossrechner
Bronzefarben schimmerte das Haarknäuel durch den Saal. Glitzerte im Licht von Grafiken und Diagrammen, projiziert weit vorne. Weit hinten schlief sie, Gesicht auf das Buch, versteckt in einem Farbrausch aus Haar. Ich war verliebt.
Bernsteinfarben funkelte das Terminal des Grossrechners im Dunkel der Koje. Ich schrieb das erste Gedicht.
No Future,von Alf Altendorf
Buchbeitrag für Generation Sexkoffer, Jugend in den 80er Jahren zwischen politischen Klimawandel, Freizeit-Industrie und Popkultur
Hrg. Sigrid E. Rosenberger, Martin Wassermair, erscheint 10/2007
"No Future". Wer dabei an den Punk-Slogan denkt, liegt falsch. Oder auch nicht. "No Future" stand in riesigen Lettern auf dem Poster an der Wand. Kein Wunder, dass sich meine Eltern Sorgen machten. Wahrscheinlich wäre es OK gewesen, wenn es ein Punk-PinUp gewesen wäre. Mit einem greinenden Johnny Rotten, oder - besser - den gitarreschwingenden Clash. Die ich alle erst später zu hören angefangen habe.
Mit jungen Leuten mit wilden Frisuren, in dreckigen Klamotten. Die "dir den Finger zeigen". Irgendeiner der unvermeidlichen Musikfanposter, den pubertierende, protestierende Jugendliche an Wände pappen.
Damit hätte ich bestenfalls meinen rechtsnationalen Grossvater provozieren können. Für den sowieso alles mit Schlagzeug "Negermusik - Getrommle" war. Nur: provozieren wollte ich nicht. Eher Pessimismus plakatieren. Bewältigen. Irgendwie so.
Freie Medien in Salzburg: die Radiofabrik Impressionen eines Zuwanderers (v. Alf Altendorf f. Kulturrisse0308 )
Erster Unterschied: Am Wochenende nur zwei Tageszeitungen. Zum Klauen. Klar, für Mediaprintprodukte wie Kurier und Krone gebe ich - seit langem schon - keinen Cent aus. Drängelt sich in Wien an nackten Verkehrschildstangen ein Füllhorn an Blätter um zahlende oder "sparende" LeserInnen, sind es in Salzburg-Stadt nur zwei. Ok, drei, nur Österreich erzeugt - bei mir - flüssigen Stuhlgang. Schlechtes Gewissen für Diebstahl? Nicht angebracht. Wenn auch ungewollt steigere ich Auflage und Reichweite. Steigere die Preise für Anzeigenkunden. Und bin angeblich knallhart einkalkuliert. Im faktisch heiss umkämpften österreichischen Zeitungsmarkt.
Die Abwesenheit des Platzhirsch Salzburger Nachrichten in der praktischen Folientasche lässt vermuten, dass die SN ein weniger anzeigenabhängiges Geschäftsmodell hat. Vermutlich.
Wenn die Post von Netznetz klingelt : Fuck the Shitart, let´s kill
Eine der mühsamsten Eigenheiten elektronischer Kommunikation ist
Penetranz. Mit der sich Email und Konsorten in den Vordergrund
computergestützter Arbeit drängen. Kaum jemand kann der Versuchung
widerstehen, den Mailslave angedreht zu halten. Egal ob ein Pamphlet
verfasst, eine Karikatur entworfen, eine Intrige geplant, ein Virus
gecodet oder Krach gecutted wird. Pling, Blobb, Boing, Mails bimmeln,
Fenster gehen auf - wieder ein neues Mail - und der gerade Gestalt
annehmende niedrige Gedanke wird durch irgendeine Mistbotschaft
abgewürgt. Der nachgegangen werden muss. Neugier ist menschlich.